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Lumbalorthesen gegen Muskelatrophie: Mobil kommt von stabil

Lumbalorthesen gegen Muskelatrophie

Rasch wieder in Bewegung kommen, lautet bei Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat in den meisten Fällen die Devise. Gilt es doch, den Teufelskreis aus Schmerzen, Schonhaltung und Muskelabbau zu durchbrechen. Dass Orthesen nicht etwa die Muskelatrophie verstärken, sondern Patienten helfen, dagegen anzuarbeiten, ist jedoch noch nicht in allen Köpfen präsent.

Nach der Hüftendoprothese für Wochen liegen oder das Knie nach der Operation ruhigstellen – das war (vor)gestern. Schon seit langem hat sich die Erkenntnis durchgesetzt , dass eine frühzeitige Mobilisierung unter anderem dazu beiträgt , Schmerzen zu lindern, das Thromboserisiko zu verringern und die durch Immobilität und Schonverhalten reduzierte Muskelkraft wieder aufzubauen. Hier können Orthesen einen wichtigen Beitrag leisten, wie dieser Fokus am Beispiel von Lumbalorthesen zeigt.Lumbalorthesen stabilisieren flexibel die Lendenwirbelsäule. Das heißt , sie schränken ausschließlich ungewünschte Bewegungen ein. Dadurch verspürt der Patient mehr Stabilität und Sicherheit.
Die Orthesen schränken jedoch nicht komplett die Beweglichkeit ein, sondern erlauben, dass sich die Wirbelsäule bis zu einem bestimmten Grad dynamisch ausbalanciert. Die Patienten haben wieder eine bessere Haltung und können sich schmerzärmer und effizienter bewegen. Dabei führen die Orthesen jedoch nicht etwa zu einer Muskelatrophie, sondern machen Bewegung vielfach überhaupt erst erneut möglich.

Aktuelle Studie entkräftet ­Atrophievermutung

Für rein konservativ behandelte Patienten gibt es schon einige Nachweise, die das Atrophievorurteil entkräften. Nun aber hat sich Dr. med. Yorck Rommelspacher darangemacht , die Wirkung der Lumbalorthese Spinova Support Plus an operierten Patienten zu untersuchen. In seinen Untersuchungen hatte die Orthese keinen negativen Effekt auf die muskuläre Regeneration. Im Gegenteil: Die Tendenz war sogar leicht positiv. Welche besonderen Methoden der Orthopäde bei seiner Studie anwendete, verrät er im Interview auf Seite 22 f. Darin wird zudem deutlich, dass Patienten sich mit Orthese vor allem auch wieder mehr zutrauen. Die Lumbalorthese unterstützt sie dabei, ihren Alltag wieder aktiver zu gestalten. Das bringt ihnen ein deutliches Plus an Lebensqualität.

Weniger Schmerzen, mehr Mut zur Bewegung

Dass Patienten durch Lumbalorthesen ermutigt werden, sich zu bewegen, beobachtet auch Prof. Dr. Hee Hwan Tak aus Singapur immer wieder (siehe nebenstehendes Interview). Für ihn sind zudem der Rückgang an Schmerzmitteln und die erneute Arbeitsfähigkeit der Patienten wichtige Indizien für die therapeutische Wirkung von Lumbalorthesen.
Insbesondere bei älteren Patienten sollte eine Mobilisierung möglichst schnell eingeleitet werden, um den bekannten Folgen einer Bettlägerigkeit entgegenzuwirken, betont Prof. Dr. med. Rolf Haaker. Er berichtet auf Seite 20 f. über den Einsatz der SacroLoc bei Schambeinastfrakturen. Indem die Orthese Ruhe in den hinteren Beckenring bringt und die Nutationsbewegung der Iliosakralgelenke einschränkt , kann sie auch durch Beckenfrakturen verursachte Schmerzen deutlich lindern. Das Fazit der drei Fokus-Interviews: Mit Lumbalorthesen sind Patienten oft schneller und sicherer wieder mobil.

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