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Rumpfmuskulatur: „Darum fallen uns Sit-ups so schwer“

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Rückenschmerzen sind fast immer ein Signal mangelnder Kraft , weiß PD Dr. med. Christoph Anders, Facharzt für Pathophysiologie. Aber oft fehlt die Kraft nicht dort , wo man es vermuten würde…

Sind wir Menschen Geher, Läufer oder Kletterer?
Dr. Anders: Wir können alles leidlich gut. Unser Muskelsystem ist weder speziell an ausdauerndes Laufen, noch an ermüdungsarmes Gehen angepasst. Studien, die wir in unserem Labor durchgeführt haben, zeigen, dass verschiedene Muskeln verschiedene Optima besitzen, also unterschiedliche Geschwindigkeiten, bei denen sie am effektivsten arbeiten. Das ist manchmal ein Nachteil , meistens aber ein Vorteil. In der Evolution hat uns das weit gebracht.

PD Dr. med.  Christoph Anders.Es ist also für den Rücken kein Nachteil , dass wir nur auf zwei Beinen stehen?
Dr. Anders: Nein, unser Rücken hat sich optimal angepasst. Er ist sogar ideal ausgelegt für unterschiedliche Bewegungsarten, vorausgesetzt das Zusammenspiel der Muskeln funktioniert.

Was passiert , wenn das Zusammenspiel nicht funktioniert?
Dr. Anders: Dann geraten wir aus dem Takt. Wenn wir etwa beim Gehen, kurz vor dem Auftreten, nicht rechtzeitig die Rückenmuskulatur anspannen und dadurch die Wirbelsäule schützen, treten über kurz oder lang Schmerzen auf. Letzten Endes ist es ein Kraftdefizit , dass uns dort hinführt.

Wo genau fehlt es an der Kraft?
Dr. Anders: Häufig genug gar nicht im Rücken. Das hat die Studie auch gezeigt , vor allem die Messungen im Ganzkörperkippgerät: Im Bauch fehlt uns oft die Haltekraft. Deshalb fallen uns auch Sit-ups so schwer, auch wenn wir gut trainiert sind. Probleme mit der Koordination der Muskulatur treten allerdings überwiegend im Rücken auf.

Das entscheidende Ergebnis der von Ihnen durchgeführten Studie war, dass durch das Tragen der Lumbalbandage große Teile der Rumpfmuskulatur signifikant aktiviert wurden. Hat Sie das Ergebnis überrascht?
Dr. Anders: Ja, und zwar in seiner Deutlichkeit. Zwei der drei untersuchten Rückenmuskeln zeigen in einzelnen Situationen mit LumboTrain eine Erhöhung ihrer Aktivität um fast 50 Prozent. Bei der Bauchmuskulatur konnten wir eine durchschnittliche Erhöhung um 25 Prozent messen. Ein weiteres Ergebnis war interessant: Die seitliche Rumpfmuskulatur ist bis zu 50 Prozent in der Aktivität gemindert. Gleichzeitig war die Phasizität der Rückenmuskeln bei dynamischer Belastung erhöht.

Was bedeutet Phasizität für den Muskel?
Dr. Anders: Durch den gemessenen Aktivitätsrückgang tritt keine Inaktivierung des Muskels, sondern vielmehr eine Entlastung ein. Beim Bandagenträger kommt es durchweg zu verstärkten Phasen der Entspannung in der Muskulatur, in denen eine verbesserte Durchblutung stattfindet. Das weist darauf hin, dass die Muskulatur durch Bewegung mit der Bandage vor Ermüdung geschützt werden kann.

 

Bilder: Frank Steinhorst