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SacroLoc-Studie, Teil 1: Beckenorthese wirkt direkt auf ISG

2015_02_SacroLoc_Studie_Aufmacher

Eine umfangreiche Studie zur Wirkung der SacroLoc zeigte eindeutige Effekte auf die Iliosakralgelenke (ISG). Zudem gaben Computersimulationen Aufschluss über grundlegende Fragen der Anatomie und Biomechanik der lokalen Bänder.

Lange führten die Iliosakralgelenke, die zentrale Verbindung zwischen Kreuz- und Darmbein, ein Schattendasein. Erst in den vergangenen Jahren standen sie zunehmend im wissenschaftlichen Interesse. Dennoch blieben die genauen anatomischen Verhältnisse der Bandstrukturen an den ISG bislang eher im Dunkeln. Zu gering waren die Möglichkeiten der Darstellung mit herkömmlichen Messverfahren.
Für Wissenschaftler der Universität Leipzig und der Technischen Universität Chemnitz Anlass genug, diese Forschungslücke schließen zu wollen und mit Hilfe neuester Untersuchungsverfahren die Wirkung der Orthese SacroLoc auf die ISG und das Becken zu ergründen.

Rotation des Kreuzbeins um über 40 Prozent verringert

Die Studie wurde am Institut für Anatomie der Universität Leipzig unter Leitung des Anatomen PD Dr. med. habil. Niels ­Hammer durchgeführt. Sie bearbeitete neben anatomischen und biomechanischen auch klinische Fragestellungen zur Stabilität und Beweglichkeit des Beckenrings unter dem Einfluss der SacroLoc.
Unter Anwendung der Finite-Elemente-Methode (FEM) wurde ein ­Computermodell entwickelt , in das geometrische und mechanische Daten der Beckenanatomie implementiert wurden, um die geringen Bewegungen der ISG in Simulationen messbar zu machen.
Ein wegweisendes Ergebnis der Studie: Insgesamt fallen die Bewegungen der ISG deutlich geringer aus als bisher angenommen. Eine weitere wichtige Erkenntnis: Durch die Anwendung der Beckenorthese wurde die Nutation der ISG entscheidend verändert.
In Zahlen: Die Rotationskomponente verringerte sich dabei um über 40 Prozent. Die transversale Kippung der Darmbeinanteile der Hüftbeine vergrößerte sich um 65 Prozent und bewirkte eine leichte Aufrichtung des Beckens. Diese differenzierte Wirkung der Beckenorthese, die das Bewegungsausmaß nicht isoliert einschränkt , sondern auf komplexe Art verändert , stelle einen neuen Befund für die wissenschaftliche Gemeinschaft dar, so die beteiligten Forscher (siehe auch Interview auf Seite 26).

Innervation der ISG-Bänder

Durch die komplexe Veränderung des Bewegungsausmaßes der ISG tritt mit der SacroLoc eine messbare Entlastung lokaler Bandstrukturen ein – vor allem der Bänder innerhalb der ISG, der Sakrospinal- und Sakrotuberalbänder. Das beeinflusst die Kinematik des Beckens, wirkt stabilisierend und geht mehrheitlich mit einer Schmerzlinderung einher. So berichteten Patienten mit chronischer ISG-Symptomatik im klinischen Teil der Studie teilweise von einer sofort eintretenden Schmerzlinderung bei angelegter Orthese.
Das steht auch mit den Innervationsverhältnissen in direktem Zusammenhang. Anatomische Studien mit Plastinaten, die den Computersimulationen zugrunde lagen, hatten unter anderem gezeigt , dass die ISG-Region bis an den Gelenkspalt heran dicht innerviert ist. Das zirkuläre Anlegen der SacroLoc an den Beckenring entlastet nicht nur die Bänder, sondern hat demnach auch einen Effekt auf die Interaktion der Bänder und Nerven. Bei Bewegung wirken die Pelotten der ­Orthese zudem gezielt auf Triggerpunkte und massieren die Ansätze der stabilisierenden Bänder, Sehnen und Muskeln.

1 Soisson O, Lube J, Germano A, Hammer K-H, Josten C, Sich­ting F, Winkler D, Milani T , Hammer N. PLOS ONE 10.1371/journal.pone.0116739. published 17 Mar 2015. Pelvic belt effects on pelvic morphometry, muscle activity and body balance in patients with sacroiliac joint dysfunction. (www.plosone.org)

Bilder: Dr. Hammer, Bauerfeind